Gemeinden vergleichen ihre Leistungen - Der Bund vom 24.7.2000
benchmarking / Um Steuergelder zu sparen, vergleichen mehr als ein Dutzend Gemeinden im Kanton Aargau die finanziellen
Aufwendungen für ihre Verwaltungsaufgaben und Dienstleistungen. Das Projekt eines findigen Finanzverwalters in Oftringen
bringt frisch
Die Idee ist einfach. Wer seine Wohnung neu malen lässt, vergleicht die verschiedenen Offerten - und entscheidet sich für den
Malermeister mit dem besten Preis/ Leistung-Angebot. Doch wie verhält sich das mit den Kosten und der Qualität von
Dienstleistungen, die Gemeindeverwaltungen erbringen? Mit dieser Frage befasst sich ein Projekt des Finanzverwalters der Aargauer
Gemeinde Oftringen, Andreas Kallmann.
Die Zukunft nennt sich «Benchmarking». Das Projekt vergleicht die Leistungen von Gemeinden und Städten: Die klassischen
Aufgaben wie Abfallentsorgung, Steueramt oder die Musikschule werden unter die Lupe genommen. «Man stellt Unterschiede bei
den Kosten fest, und man schaut dann, auf was sich diese gründen», erläutert der 35-jährige Kallmann. So lassen sich Steuergelder
sparen. Ein Stamm von 15 Aargauer Gemeinden hat sich zum Mitmachen entschieden, unter anderen Aarau, Rheinfelden, Zofingen
und Wohlen. Die Interessengemeinschaft Benchmarking wagt den Blick über den Gartenzaun und setzt sich dem Wettbewerb aus.
Die Ergebnisse der Vergleiche, welche die Gemeinden gemeinsam erarbeiten, lassen sich nicht immer in Franken und Rappen
ausweisen. Doch sie schärfen in den Beamtenbüros das Kostenbewusstsein und stossen einen Lernprozess an. Die betroffenen
Verwaltungen stellen deshalb nicht gleich alles auf den Kopf. «Es gibt Sachen, die man aus Qualitätsgründen bewusst anders haben
will», betont Kallmann: «Aber es gibt auch Aufgaben, die man wirklich billiger, einfacher und schneller machen könnte.» Ein
konkretes Ergebnis aus Oftringen: 36 000 Franken pro Jahr kann die Gemeinde bei der Abfallentsorgung sparen. Man stellte plötzlich
fest, dass andere bessere Konditionen hatten.
Einsicht ist vorhanden
Wie reagieren Gemeindeverwaltungen darauf, wenn sie feststellen, dass eine schlechte Leistung zu viel Geld verschlingt? Um keinen
lokalpolitischen Sturm im Wasserglas zu entfachen, publiziert die Interessengemeinschaft die Ergebnisse nicht. «Politik und
Verwaltung sind heute so stark der öffentlichen Kritik ausgesetzt, dass sich kaum ein Gemeinderat freiwillig aus dem Fenster lehnen
würde», weiss er: «Grundsätzlich reicht es ja, wenn die Gemeinden die Resultate analysieren und die nötigen Massnahmen treffen.»
Trotzdem gibt es Gemeinden, die von der Idee des Leistungsvergleichs überhaupt nicht begeistert sind. Sie fühlen sich unter Druck.
Die Kantone schieben immer mehr Aufgaben den Städten und Dörfern zu. Der Kostendruck auf die Gemeinden steigt. Der
Zusammenschluss Interessengemeinschaft Benchmarking ist daher auch eine Art Selbsthilfegruppe.
Oftringen erhielt für das Projekt «Benchmarking» dieses Jahr den Prix du Service public des Beratungsunternehmens Arthur
Andersen, das innovative Ansätze der öffentlichen Hand auszeichnet. Als Preisgeld erhielt Oftringen 15 000 Franken. Die Summe
ermöglicht dem Projekt einen Internet-Auftritt, der dieser Tage aufgeschaltet wird.
